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Künstliche Intelligenz

Claudeforce: Was die Partnerschaft von Salesforce und Anthropic für Unternehmen bedeutet

Autor

Stefan Paulus

Stefan Paulus

Senior Solution Architect

Erschienen am

02. September 2026

Lesezeit

5 Min.

Ein Vertriebsmitarbeiter nutzt Salesforce in Claude.

Auf einen Blick

  • Claude wird enger mit Salesforce verzahnt: Mit Claudeforce bauen Salesforce und Anthropic ihre Zusammenarbeit aus und verbinden Claude enger mit Daten, Workflows und Geschäftslogik aus Salesforce.
  • Salesforce in Claude: Nutzer:innen greifen direkt aus Claude heraus auf Salesforce zu, analysieren Informationen und stoßen Aktionen an.
  • Claude in Salesforce: Umgekehrt steht Claude auch innerhalb des Salesforce Ökosystems als KI-Modell zur Verfügung, etwa in der Atlas Reasoning Engine oder in Agentforce.
  • Von der Suche zur Zielbeschreibung: Mitarbeitende müssen künftig weniger zwischen Datensätzen navigieren und formulieren ihr Ziel stattdessen in natürlicher Sprache.
  • Die Basis entscheidet: Datenmodell, Prozesse, Berechtigungen und Governance bestimmen, wie verlässlich die KI arbeiten kann.

Was ist Claudeforce?

Salesforce und Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude, bauen ihre Zusammenarbeit deutlich aus. Unter dem Namen Claudeforce verbinden die beiden Unternehmen Claude enger mit Salesforce, Agentforce und Slack. Damit soll Claude nicht nur auf Unternehmensdaten zugreifen, sondern diese im jeweiligen Geschäftskontext verstehen und Aktionen in Salesforce ausführen können.

Hinter der Ankündigung steckt mehr als eine weitere KI-Integration. Claudeforce zeigt, in welche Richtung sich die Interaktion mit Unternehmenssoftware entwickelt: Statt sich durch Anwendungen, Objekte und Datensätze zu klicken, beschreiben Nutzer:innen, was sie erreichen möchten. KI übernimmt einen Teil der Suche, Analyse und Navigation und kann anschließend die passenden Aktionen anstoßen.

Claudeforce ist weder eine neue Salesforce Cloud noch ein neues Sprachmodell.

Wie arbeiten Salesforce und Claude zusammen?

Die Partnerschaft erstreckt sich auf mehrere Bereiche. Claude bringt die Fähigkeiten für Sprachverständnis, Reasoning und agentisches Arbeiten in die Partnerschaft. Das Salesforce CRM stellt geschäftlichen Kontext bereit, darunter Unternehmensdaten, Workflows, Berechtigungen und Geschäftslogik.

Die Integration funktioniert in beide Richtungen. Nutzer:innen können Salesforce künftig stärker direkt aus Claude heraus verwenden. Gleichzeitig kommt Claude als Modell innerhalb des Salesforce Ökosystems zum Einsatz.

Salesforce in Claude

Salesforce in Claude bringt Salesforce Funktionen über ein Plugin in Claude. Zum Start stehen 37 vorkonfigurierte Sales Skills bereit. Sie unterstützen typische Aufgaben im Vertrieb, beispielsweise die Vorbereitung auf Kundentermine, die Analyse von Accounts und Opportunities oder Pipeline Reviews.

Im Unterschied zu einem klassischen KI-Assistenten gibt Claude nicht nur Informationen aus, sondern führt Salesforce Kontext zusammen und kann anschließend Aktionen in Salesforce anstoßen.

Möchte beispielsweise ein Vertriebsmitarbeiter heute wissen, welche Opportunities seine Aufmerksamkeit benötigen, muss er möglicherweise mehrere Datensätze prüfen, Aktivitäten nachvollziehen und Informationen miteinander vergleichen. Mit Salesforce in Claude kann er stattdessen fragen: „Welche meiner Opportunities für dieses Quartal sind gefährdet und warum?“

Claude kann den relevanten Salesforce Kontext analysieren, Risiken herausarbeiten und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Je nach Anwendungsfall können anschließend direkt Aktionen angestoßen werden, etwa einen Lead aktualisieren, einen Case eskalieren, eine Aufgabe erstellen oder einen Datensatz ergänzen.

Salesforce in Claude befindet sich zunächst im Pilotbetrieb. Eine Open Beta gibt es ab September 2026. Weitere Skills sollen folgen. Der erste Release adressiert die Vertriebsrolle, weitere Unternehmensbereiche kommen später hinzu.

Claude in Salesforce

Claude steht als Modell innerhalb des Salesforce Ökosystems zur Verfügung und kommt unter anderem bei der Atlas Reasoning Engine, Agentforce Coworker und Agentforce Vibes zum Einsatz. Auch im Agent Builder können Unternehmen Claude verwenden.

Damit bleibt Agentforce ein wichtiger Bestandteil der KI-Strategie von Salesforce. Claudeforce ersetzt Agentforce nicht. Vielmehr erweitert die Partnerschaft die Möglichkeiten. Unternehmen können Agenten mit Agentforce entwickeln und gleichzeitig Claude enger mit ihren Salesforce Prozessen verbinden.

Claude in Slack

Claude soll außerdem stärker in den Arbeitskontext in Slack eingebunden werden und mit Salesforce Daten und Aktionen zusammenspielen. Das folgt derselben Grundidee: Unternehmensinformationen und KI sollen dort verfügbar sein, wo Mitarbeitende gerade arbeiten. Der Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen verliert dadurch zunehmend an Bedeutung.

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Ersetzt Claudeforce ab sofort Agentforce?

Wer bereits Agentforce einsetzt, stellt sich nach der Ankündigung von Claudeforce möglicherweise die Frage, ob Salesforce in Claude bestehende Agentforce Anwendungsfälle ersetzen wird. Derzeit setzen beide Tools an unterschiedlichen Stellen an.

Agentforce dient als Orchestrierungsebene für definierte Geschäftsprozesse. Unternehmen können festlegen, auf welche Daten ein Agent zugreift, welche Aktionen er ausführt und an welchen Stellen ein Sprachmodell eine Entscheidung trifft. Dabei lässt sich das Reasoning des LLM mit deterministischer Logik und bestehenden Salesforce Funktionen wie Flows oder Apex kombinieren.

Ein Serviceprozess kann beispielsweise vorgeben, dass zunächst bestimmte Informationen ausgelesen werden, sobald ein neuer Case eingeht. Das Sprachmodell bewertet die Priorität, Salesforce aktualisiert den entsprechenden Datensatz und der Agent erstellt auf dieser Grundlage eine Antwort. Agentforce verbindet damit flexible KI-Entscheidungen mit strukturierten und kontrollierbaren Prozessschritten.

Salesforce in Claude verfolgt einen anderen Ansatz. Es macht Salesforce Daten, Kontext und Funktionen direkt in Claude zugänglich. Statt einen konkreten Geschäftsprozess als Agenten zu modellieren, können Mitarbeitende in natürlicher Sprache Fragen zu ihrem Salesforce Kontext stellen, Informationen zusammenführen lassen und Aktionen anstoßen.

Claudeforce dürfte Agentforce daher weniger ersetzen als einen zusätzlichen Zugang zu Salesforce schaffen. Überschneidungen sind vor allem dort denkbar, wo Agentforce heute Mitarbeitende bei wissensintensiven Aufgaben unterstützt. Für strukturierte, wiederkehrende oder ereignisgesteuerte Prozesse bleibt Agentforce dagegen die Orchestrierungsebene.

Bestehende Agentforce Investitionen verlieren dadurch nicht an Wert. Im Gegenteil: Claudeforce und Agentforce stehen beispielhaft für zwei unterschiedliche Wege, dieselbe Salesforce Basis für KI nutzbar zu machen: einmal über definierte agentische Prozesse und einmal über eine stärker nutzergesteuerte, dialogbasierte Interaktion.

Was bedeutet Claudeforce für Salesforce Kunden?

Die ersten Sales Skills sind ein konkreter Einstieg. Interessanter ist jedoch die Entwicklung, die damit einhergeht. Denn Claudeforce könnte verändern, wie Mitarbeitende mit Salesforce und anderen Unternehmensanwendungen interagieren.

1. Salesforce kommt zu den Nutzer:innen

Klassische Unternehmenssoftware folgt meist einem vertrauten Prinzip: Nutzer:innen öffnen eine Anwendung, navigieren zum richtigen Bereich, suchen die relevanten Datensätze und führen dort ihre Aufgabe aus.

Mit Claudeforce muss Salesforce nicht mehr zwingend der Ort sein, an dem eine Aufgabe beginnt. Daten und Funktionen können beispielsweise direkt in Claude oder Slack verfügbar werden.

Das bedeutet nicht, dass die klassische Salesforce Oberfläche verschwindet. Sie bekommt vielmehr zusätzliche Zugangswege. Das CRM entwickelt sich vom einzelnen Arbeitsort stärker zu einer Plattform, deren Daten, Prozesse und Funktionen im jeweiligen Arbeitskontext zur Verfügung stehen.

2. Von der Informationssuche zur Zielbeschreibung

Die Rolle der Nutzer:innen wird sich verändern. Während bislang die Leitfrage war, wo ich die Informationen finde, die ich für meine Aufgabe brauche, lautet sie künftig: „Was möchte ich erreichen?“

Statt selbst zu entscheiden, welche Objekte, Datensätze und Anwendungen für eine Aufgabe relevant sind, formulieren Mitarbeitende ihr Ziel in natürlicher Sprache. Die KI findet die notwendigen Daten, führt Gesprächsverläufe, Aktivitäten, Kontakte, vergangene Interaktionen oder Informationen aus anderen Systemen zusammen und bereitet eine Entscheidung vor.

➔ Mit Claudeforce verändert sich, wie Menschen mit Unternehmenssoftware interagieren. Nutzer:innen müssen weniger wissen, wo Daten liegen oder welcher Prozessschritt als Nächstes kommt. Sie formulieren ihr Ziel und die Technologie stellt den notwendigen Kontext und die passenden Aktionen bereit.

3. KI liefert nicht nur Informationen, sondern handelt

Generative KI wird vor allem genutzt, um Inhalte zu erstellen, Informationen zusammenzufassen oder Fragen zu beantworten. Agentische Systeme gehen darüber hinaus. Aus dem Prinzip Frage → Antwort wird Ziel → Kontext → Analyse → Aktion.

Claude kann in Verbindung mit Salesforce nicht nur Informationen analysieren, sondern auch Aktionen in Salesforce anstoßen. Dabei bleibt Salesforce die Ebene, über die Unternehmensregeln und Berechtigungen greifen. Das ist entscheidend für den Einsatz im Unternehmenskontext. Denn ein KI-Agent sollte nicht nur verstehen, was theoretisch getan werden könnte. Er muss auch berücksichtigen, welche Daten eine Person sehen darf, welche Prozesse gelten und welche Aktionen zulässig sind.

4. Eine gute Salesforce Basis wird noch wichtiger

Der einfachere Zugriff über KI bedeutet nicht, dass die Struktur hinter Salesforce weniger wichtig wird. Ganz im Gegenteil. Je stärker KI-Agenten eigenständig mit Unternehmensdaten und Prozessen arbeiten, desto wichtiger werden:

  • eine verlässliche Datenbasis,
  • klar definierte Prozesse,
  • eine saubere Geschäftslogik,
  • eindeutige Berechtigungen und
  • funktionierende Governance.

Ein Agent kann nur auf dem Kontext aufbauen, der ihm zur Verfügung steht. Sind Daten unvollständig, Prozesse uneinheitlich oder Zuständigkeiten nicht sauber definiert, verschwinden diese Probleme durch eine neue KI-Oberfläche nicht. Die Investitionen, die Unternehmen bereits in ihre Salesforce Organisation, Datenmodelle und Prozesse gesteckt haben, gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung. Sie bilden die Grundlage dafür, dass KI zuverlässig und kontrolliert handeln kann.

➔ Je einfacher die Interaktion mit Salesforce durch KI wird, desto wichtiger wird die Qualität des Fundaments. Ein Agent kann nur dann verlässlich handeln, wenn Daten, Prozesse und Governance sauber definiert sind. Claudeforce nimmt Unternehmen diese Grundlagen nicht ab. Es erhöht ihren Wert.

5. Wie das technisch möglich wird

Drei Bausteine machen den Zugriff auf Salesforce außerhalb der klassischen Benutzeroberfläche möglich:

  • Headless 360 stellt Daten, Geschäftslogik, Prozesse, Berechtigungen und Governance unabhängig von der Salesforce Oberfläche bereit. Salesforce positioniert das ausdrücklich als Erweiterung der Lightning Experience und nicht als Ersatz. Eine ausführliche Einordnung finden Sie in unserem Artikel Headless 360: Wie Salesforce zur KI-Infrastruktur wird.
  • Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den Agenten diese Fähigkeiten erkennen und nutzen können.
  • AIforce ist eine neue Bezeichnung im Salesforce Portfolio und bündelt bestehende und neue Funktionen zu einem Enterprise Harness. Über MCP-Server, Schnittstellen und CLI-Tools macht es Geschäftsdaten und Workflows für beliebige Agenten verfügbar, ohne dass dafür aufwendige Einzelintegrationen notwendig sind.

Wie bereiten sich Unternehmen optimal auf den Claudeforce Einsatz vor?

Salesforce in Claude steht noch am Anfang. Für Unternehmen besteht daher kein Grund, bewährte KI-Tools und Prozesse direkt über Bord zu werfen. Die Entwicklung ist aber ein guter Anlass, die eigene KI-Strategie auf den Prüfstand zu stellen und eine spätere Einführung strukturiert vorzubereiten.

1. Potenzielle Use Cases identifizieren

Den Auftakt macht die Suche nach geeigneten Anwendungsfällen. Besonders interessant sind Aufgaben, bei denen Mitarbeitende heute viel Zeit damit verbringen, Informationen aus verschiedenen Datensätzen oder Anwendungen zusammenzutragen. Auch wiederkehrende Analysen und klar definierte Aktionen bieten sich an.

2. Die Salesforce Basis überprüfen

Unternehmen sollten analysieren, ob ihre bestehende Salesforce Organisation für agentische Zugriffe vorbereitet ist. Dazu gehören neben Datenqualität und klaren Prozessen vor allem Berechtigungen, Geschäftsregeln und Governance. Maßgebend ist die Frage: Würden wir einem KI-Agenten auf Basis unserer heutigen Strukturen zuverlässig erlauben können, selbstständig auf Daten zuzugreifen und Aktionen auszuführen?

3. Die Agentic Strategy breiter denken

Und schließlich sollten Unternehmen ihre KI-Strategie nicht ausschließlich auf ein einzelnes Produkt beschränken. Langfristig ist es weniger relevant, ob Agentforce, Claude oder ein anderer Agent zum Einsatz kommt. Wichtiger wird, welche Unternehmensdaten und Prozesse Agenten nutzen dürfen und wie sie sicher darauf zugreifen können.

Bereit für die nächste Stufe der Agentic Transformation?

Mit Claudeforce verändert sich, wie Unternehmen künftig auf Salesforce zugreifen. Wir unterstützen Sie dabei, schon vor der Implementierung die richtigen Weichen zu stellen.

Claudeforce zeigt, wohin sich Unternehmenssoftware entwickelt

Claudeforce ist zunächst eine Partnerschaft zwischen zwei großen Technologieanbietern. Gleichzeitig gibt sie einen Vorgeschmack darauf, wie sich die tägliche Arbeit mit Unternehmenssoftware verändern kann.

Mitarbeitende müssen perspektivisch weniger wissen, in welchem System Informationen liegen oder welche einzelnen Schritte sie ausführen müssen. Sie beschreiben mehr das gewünschte Ergebnis, während KI den notwendigen Kontext zusammenführt und passende Aktionen vorbereitet oder ausführt.

Die klassische Salesforce Oberfläche bleibt weiter wichtig, ist aber nicht mehr der einzige Zugang. Salesforce wird zu einem zentralen Ort, auf den Menschen und KI-Agenten aus unterschiedlichen Arbeitsumgebungen zugreifen.

Genau darin liegt das langfristige Potenzial von Claudeforce: weniger Zeit für die Suche nach Informationen und die Navigation durch Systeme und mehr Zeit für die Aufgaben und Entscheidungen, die diese Systeme eigentlich vorbereiten sollen.

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